Höhere Erträge im Wein­berg erzie­len

Aus­gangs­punkt

Wird Pflan­zen­koh­le mit­kom­pos­tiert, ist sie stark Stick­stoff (Nitrat)-beladen und fördert das Pflan­zen­wachs­tum stärker als unkom­pos­tier­te Pflan­zen­koh­le. Das zeigte sich u.a. in Studien, bei denen Pflan­zen­koh­le im Wein­berg auf ihre Effekte hin getes­tet wurde. Die Ergeb­nis­se haben die Autoren Schmidt und Kammann in ihrem Buch­bei­trag über Feld- und Gefäß­ver­su­che mit Pflan­zen­koh­le in Böden in dem Stan­dard­werk Bio­koh­le (her­aus­ge­ge­ben von Quicker & Weber, Sprin­ger Verlag 2016) zusam­men­ge­tra­gen.

Ohne Qua­li­täts­ein­bu­ßen

So wurden bei­spiels­wei­se in einer Studie in einem ita­lie­ni­schen Wein­berg 20 und 40 Mg/ha Pflan­zen­koh­le ein­ge­pflügt, mit signi­fi­kan­ten Effek­ten auf den Ertrag sowie ohne Qua­li­täts­ein­bu­ßen beim Most- und Säu­re­ge­halt in zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Jahren ohne erneute Pflan­zen­koh­le-Gabe. Laut den Autoren könnte dies auch auf eine Ver­bes­se­rung der Was­ser­ver­sor­gung zurück­zu­füh­ren sein. In anderen Studien hin­ge­gen konnte keine Ertrags­stei­ge­rung, aber auch keine Ertrags­min­de­rung fest­ge­stellt werden. So etwa bei einer ober­fläch­li­chen Anwen­dung von Pflan­zen­koh­le in einem geo­lo­gisch sehr jungen Wein­berg­bo­den in der Schweiz.

Gerin­ge­re Aus­wa­schun­gen & höhere Erträge

Ein wei­te­rer Versuch von neu gepflanz­ten Ries­ling-Reben in einen Sand­bo­den in Groß­con­tai­nern an der Uni­ver­si­tät Gei­sen­heim zeigte das Ein­ar­bei­ten von bloßer Pflan­zen­koh­le erst einmal keine ertrags­för­dern­den Effekte. Die Stick­stoff-Aus­wa­schun­gen waren jedoch um fast 60 Prozent gerin­ger als in den Kon­troll-Pflan­zun­gen (dort lagen sie bei nahezu 100% der ein­ge­setz­ten Stick­stoff-Dün­ge­men­ge). Wurde die Pflan­zen­koh­le hin­ge­gen zusam­men mit Kompost in den Boden ein­ge­ar­bei­tet, wirkte die Mischung stark ertrags­stei­gernd. Auch blieben die Stick­stoff-Ver­lus­te bei den Pflan­zen­koh­le-Kompost-Mischun­gen (auch bei großen Mengen) gering.

Keine nega­ti­ven Umwelt­ef­fek­te

Bei dem bereits erwähn­ten Versuch von neu gepflanz­ten Ries­ling-Reben in einen Sand­bo­den lag der posi­ti­ve Effekt der Pflan­zen­koh­le auch darin, dass größere Kom­post­men­gen zur Ver­bes­se­rung dieses sehr nähr­stoff­ar­men Bodens gegeben werden konnten, ohne dass nega­ti­ve Umwelt­ef­fek­te zu befürch­ten waren, wenn Pflan­zen­koh­le im Kompost ent­hal­ten war. Dabei spielte es für die Ver­rin­ge­rung der Stick­stoff-Aus­wa­schung keine Rolle, ob die Pflan­zen­koh­le mit­kom­pos­tiert oder nach­träg­lich in den fer­ti­gen Kompost ein­ge­mischt worden war. Bei der Mit­kom­pos­tie­rung war der Trau­ben­er­trag jedoch höher. Dies ist laut Kammann und Schmidt über die Nähr­stoff­an­rei­che­rung in der Pflan­zen­koh­le beim Mit­kom­pos­tie­ren sehr gut erklär­bar. So ist mit­kom­pos­tier­te Pflan­zen­koh­le bereits stark Stick­stoff-beladen und gibt die Nähr­stof­fe wieder nach und nach an ihre Umge­bung ab. Unkom­pos­tier­te Pflan­zen­koh­le nimmt erst einmal Stick­stoff aus dem Boden auf (saugt sich wie ein Schwamm voll). Dadurch schützt sie zwar den Stick­stoff vor Aus­wa­schun­gen, bewirkt aber gleich­zei­tig eine Wachs­tums­ver­rin­ge­rung, da der Stick­stoff vorerst nicht mehr der Pflanze zur Ver­fü­gung steht.

Ori­gi­nal­ar­ti­kel: Feld- und Gefäß­ver­su­che mit Pflan­zen­koh­le in Böden: Ergeb­nis­se der ersten Dekade und Aus­bli­cke

Autor: Claudia Kammann, Hans-Peter Schmidt

Erschie­nen in: Peter Quicker, Kathrin Weber (Hrsg): Bio­koh­le. Her­stel­lung, Eigen­schaf­ten und Ver­wen­dung von Bio­mas­se­kar­bo­ni­sa­ten. Sprin­ger Verlag 2016, p. 293–299