Pflan­zen­koh­le und das Tier­wohl

Ammo­ni­ak

Die Ver­flüch­ti­gung von Ammo­ni­ak (NH3) ist eine der wich­tigs­ten Ursa­chen für den Verlust von Stick­stoff (N) in Boden-Pflan­zen-Sys­te­men welt­weit. Denn der Stick­stoff bleibt nicht in der Luft, durch den Regen kommt es zu einem Stick­stoff-Rück­fluss, was wie­der­um die Bildung stark kli­ma­schäd­li­cher Lach­gas­emis­sio­nen begüns­tigt, die Ver­saue­rung von Böden und die Anrei­che­rung von Stick­stoff in Gewäs­sern vor­an­treibt.

Zur groß­flä­chi­gen Frei­set­zung schäd­li­cher Ammo­ni­ak-Emis­sio­nen kommt es vor allem in der Land­wirt­schaft. Es ent­steht dort durch die mikro­bi­el­le Zer­set­zung der Tier-Exkre­men­te im Stall und auf dem Acker, wenn dort Gülle als Dünger aus­ge­bracht wird. Das ste­chend rie­chen­de Gas ist nicht nur umwelt­be­las­tend, sondern auch für die Tiere im Stall schä­di­gend, da es deren Schleim­häu­te reizt, die Lungen angreift, das Immun­sys­tem schwächt und sich sogar im Blut der Tiere anrei­chert (vgl. Schmidt 2012, Ithaka-Insti­tut).

Wird Pflan­zen­koh­le als Ein­streu- und Fut­ter­mit­tel-Zusatz ver­wen­det, können die Stick­stoff-Ver­lus­te deut­lich redu­ziert werden. Pflan­zen­koh­le kann bis zum 5-fachen ihres Eigen­ge­wichts an Wasser auf­neh­men und bindet sehr effi­zi­ent Gift- und Nähr­stof­fe an sich. Die Stick­stoff­bin­dung und die kon­ti­nu­ier­li­che Abtrock­nung der Ein­streu ent­zieht den Mikro­or­ga­nis­men die Nähr­stoff­grund­la­ge und redu­ziert so die gif­ti­gen Ammo­ni­ak-Aus­düns­tun­gen (vgl. Schmidt 2012, Ithaka-Insti­tut).

Anti­bio­ti­ka

Laut dem Bun­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (BVL) wurden 2016 rund 700 Tonnen Anti­bio­ti­ka an Tier­ärz­te abgeben. Damit ist die ein­ge­setz­te Menge an Anti­bio­ti­ka in den Ställen zwar weiter zurück­ge­gan­gen, doch immer noch viel zu hoch. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on warnt seit Jahren vor der großen Gefahr, dass sich mehr resis­ten­te Keime ent­wi­ckeln, gegen die nur noch wenige oder sogar gar keine Anti­bio­ti­ka mehr wirken.

Mit Pflan­zen­koh­le lässt sich der Einsatz von Anti­bio­ti­ka im Stall deut­lich redu­zie­ren. Pflan­zen­koh­le als Fut­ter­mit­tel­zu­satz wirkt ver­dau­ungs­för­dernd, ver­bes­sert die Fut­ter­ef­fi­zi­enz und bindet Gift­stof­fe (vgl. Gerlach 2012, Ithaka Insti­tut). Schon das fördert Gesund­heit, Akti­vi­tät und Aus­ge­gli­chen­heit der Tiere. Zudem sinkt das Infek­ti­ons­ri­si­ko für patho­ge­ne Mikro­or­ga­nis­men, das Immun­sys­tem der Tiere wird sta­bi­li­siert.

For­scher fanden zudem heraus, dass Pflan­zen­koh­le genau wie Anti­bio­ti­ka das Wachs­tum uner­wünsch­ter Bak­te­ri­en wie Koli­bak­te­ri­en oder Sal­mo­nel­len unter­drü­cken kann (vgl. Schmidt 2016, Ithaka Journal). Im Ver­gleich zur Behand­lung mit Anti­bio­ti­ka führte die Füt­te­rung mit Pflan­zen­koh­le zudem zu einer deut­lich höheren Anzahl nütz­li­cher Darm­bak­te­ri­en und Lak­toba­zil­len. Damit bleibt fest­zu­hal­ten: Pflan­zen­koh­le wird Anti­bio­ti­ka nie erset­zen können, aber sie könnte helfen, dass es erst gar nicht zum Einsatz der lebens­wich­ti­gen Medi­ka­men­te kommen muss.

Methan

Als Kli­ma­gas ist Methan (CH4) laut dem Bun­des­um­welt­amt rund 25-mal kli­ma­schäd­li­cher als Koh­len­stoff­di­oxis (CO2). Genau wie alle anderen Treib­haus­ga­sen reflek­tiert Methan die Wär­me­rück­strah­lung der Erd­ober­flä­che und hält sie davon ab, ins Weltall zu ent­wei­chen. Die Wärme wird wieder in Rich­tung Erde abge­ge­ben.

Mehr als ein Drittel der welt­weit aus­ge­sto­ße­nen Menge stammt direkt oder indi­rekt aus der Vieh­hal­tung, es ent­steht vor allem in der Mas­sen­tier­hal­tung von Rindern und Schafen. Als Wie­der­käu­er pro­du­zie­ren diese bei der Ver­dau­ung in ihren Mägen große Mengen Methan und setzen es über „Rülpsen und Pupsen“ wieder frei. Darüber hinaus wird Methan durch die Abwas­ser- und Klär­schlamm­be­hand­lung sowie die Aus­brin­gung des Klär­schlamms als Dünger in der Land­wirt­schaft frei­ge­setzt.

Auch hier kann die Gabe von Pflan­zen­koh­le als Fut­ter­mit­tel­zu­satz den Methan-Ausstoß redu­zie­ren (vgl. bei­spiels­wei­se Schmidt 2016, Ithaka Journal). Pflan­zen­koh­le wirkt im Ver­dau­ungs­trakt der Tiere adsor­bie­rend, das heißt, sie bindet sehr effi­zi­ent Nähr- und Gift­stof­fen an sich. In der Tier­hal­tung ist sie deshalb seit Jahr­hun­der­ten als Not­fall­be­hand­lung bei Ver­dau­ungs­stö­run­gen und Ver­gif­tun­gen bekannt und wird dort als nicht ver­dau­li­ches Trä­ger­mit­tel ein­ge­setzt. Im Ver­dau­ungs­trakt der Tiere wirkt die Pflan­zen­koh­le jedoch nicht nur ent­gif­tend, sondern erhöht durch ihre elektro-bio­che­mi­sche Inter­ak­ti­on auch die Fut­ter­ef­fi­zi­enz und ver­min­dert durch die Stick­stoff­bin­dung die Methan­bil­dung.

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