Aus­gangs­punkt

Stadt­bäu­me sind für ein gesun­des Stadt­kli­ma unver­zicht­bar. Sie sind jedoch auch beson­de­ren Stress­fak­to­ren aus­ge­setzt. Das hat zur Folge, dass Stadt­bäu­me eine deut­lich kürzere Lebens­dau­er und höhere Instand­hal­tungs­kos­ten haben. Die Schwe­di­sche Haupt­stadt Stock­holm testet deshalb seit rund 10 Jahren spe­zi­el­le Boden­sub­stra­te für Stadt­bäu­me. Laut Björn Embrén („Plan­ting Urban Trees with Biochar. The Stock­holm Project.“, The Biochar Journal 2016) ent­hal­ten die Sub­stra­te Kies, Ton, Sand, Lava und immer erfolg­rei­cher: Pflan­zen­koh­le.

Stress­fak­to­ren

Stadt­bäu­me leiden vor allem unter der Boden­ver­sie­ge­lung und Boden­ver­dich­tung im urbanen Raum. Die Ver­füg­bar­keit von Wasser und Sauer­stoff für die Baum­wur­zeln wird dadurch stark ein­ge­schränkt.

Erste Maß­nah­me: Stein­schicht

Als erster Schritt wurde laut Embrén in Stock­holm der stark ver­dich­te­te Boden rund um die Bäume durch eine Stein­schicht ersetzt. Steine ver­dich­ten sich nicht in dem Maß wie Erde. So kann kon­ti­nu­ier­lich Wasser zwi­schen den Baum­wur­zeln ein­drin­gen und es bleibt genug Raum für den Aus­tausch von Gasen. In den Anfangs­jah­ren wurden zwei getrenn­te Stein­schich­ten mit unter­schied­li­chen Stein­grö­ßen auf­ge­schich­tet. Es zeigte sich jedoch, dass mit einer ein­heit­li­chen Schicht und einer Stein­grö­ße von 32–63 mm die besten Ergeb­nis­se zu erzie­len waren.

Zweite Maß­nah­me: Pflan­zen­koh­le

Anfangs spülte das Stock­holm-Team noch Erde zwi­schen die Steine, um den Bäumen ein zusätz­li­ches Wachs­tums­me­di­um zu bieten. Diese Erde ersetz­ten die Baum­pfle­ger laut Embrén zuneh­mend durch Pflan­zen­koh­le. Denn Pflan­zen­koh­le wider­steht genau wie die gemah­le­nen Steine Kom­pres­si­on und Ver­dich­tung. Zusam­men mit den gemah­le­nen Steinen ver­bes­sert die Pflan­zen­koh­le den Hohl­rau­m­an­teil, auch Poro­si­tät genannt. Eine höhere Poro­si­tät fördert den Gas­aus­tausch und die Was­ser­hal­te­ka­pa­zi­tät, mehr Durch­läs­sig­keit führt zu einer ver­bes­ser­ten Wur­zel­durch­drin­gung. Pflan­zen­koh­le ist nicht nur viel poröser als Sand oder Ton, sie wird auch nicht so schnell bio­lo­gisch abge­baut oder ver­dich­tet sich wie bei­spiels­wei­se Torf.

Als opti­ma­le Par­ti­kel­grö­ße der Pflan­zen­koh­le bewies sich 1–10 mm, bewährt haben sich in Stock­holm zudem rund 2,25 m3 an Pflan­zen­koh­le pro Baum. Daraus ergibt sich ein Mischungs­ver­hält­nis von 85 % Kies und 15% Pflan­zen­koh­le pro Baum, bei den Sträu­chern erwies sich ein Mischungs­ver­hält­nis von 75 % Kies und 25 % Pflan­zen­koh­le als optimal.

Bes­se­res Regen­was­ser-Manage­ment

Als wei­te­rer Zusatz­nut­zen des Pflan­zen­koh­le-Stein-Sub­stra­tes erwies sich laut Embrén ein ver­bes­ser­tes Regen­was­ser-Manage­ment. Durch eine spe­zi­el­le Gestal­tung des umlie­gen­den Stra­ßen­pflas­ters wird das sich ansam­meln­de Regen­was­ser von den Dächern, Bür­ger­stei­gen und Straßen zu den Bäumen hin­ge­lei­tet. Die hohe Was­ser­hal­te­ka­pa­zi­tät der Pflan­zen­koh­le und ihre Fil­ter­wir­kung redu­zie­ren nicht nur Kosten und Aufwand bei der Baum­pfle­ge, sondern haben auch für Kosten-Ein­spa­run­gen beim städ­ti­schen Was­ser­ma­nage­ment gesorgt.

Spei­che­rung von zusätz­lich 2.000 t CO2

Würde die Stadt Stock­holm für alle Grün­flä­chen- und Land­schafts­pro­jek­te Pflan­zen­koh­le ein­set­zen, schätzt der Autor den jähr­li­chen Bedarf an Pflan­zen­koh­le auf rund 800t. Dies hätte den wei­te­ren Nutzen, dass damit zusätz­lich rund 2.000 t an CO2 jähr­lich aus der Atmo­sphä­re im Boden gebun­den werden könnten.

Ori­gi­nal­ar­ti­kel: Plan­ting Urban Trees with Biochar. The Stock­holm Project.

Autor: Björn Embrén

Erschie­nen in: The Biochar Journal (tBJ) 2016, Ithaka Insti­tu­te, p. 44–47