Pflan­zen­koh­le in der Tier­füt­te­rung

Aus­gangs­punkt

Die momen­tan viel­ver­spre­chends­te Mög­lich­keit, Pflan­zen­koh­le in der Land­wirt­schaft wirt­schaft­lich und öko­lo­gisch nutz­brin­gend ein­zu­set­zen, ist die Kas­ka­den­nut­zung in der Tier­hal­tung. Zu diesem Ergeb­nis kommen die Autoren Schmidt, Kammann und Gerlach in ihrem Buch­bei­trag für eines der wis­sen­schaft­li­chen Stan­dard­wer­ke über Pflan­zen­koh­le (her­aus­ge­ge­ben von Quicker & Weber 2016, Bio­koh­le, Sprin­ger Verlag). Pflan­zen­koh­le kann dabei als Silier­mit­tel, als Fut­ter­mit­tel, in der Ein­streu, zur Gül­le­be­hand­lung und als Kom­post­zu­satz ein­ge­setzt werden. Der Artikel gibt nicht nur einen guten Über­blick über die ver­schie­de­nen Ein­satz­be­rei­che der Pflan­zen­koh­le in der Tier­hal­tung, er auch fasst die wich­tigs­ten For­schungs­er­geb­nis­se der letzten Jahre umfas­send zusam­men.

Funk­ti­ons­wei­se von Pflan­zen­koh­le in der Füt­te­rung

Bevor Pflan­zen­koh­le Anfang der 2000er Jahre als Fut­ter­mit­tel unter­sucht und ein­ge­setzt wurde, galt akti­vier­te Pflan­zen­koh­le ins­be­son­de­re als Tier­arz­nei bei Ver­dau­ungs­stö­run­gen und Ver­gif­tun­gen. Die soge­nann­te Adsorp­ti­ons­the­ra­pie (Bindung und Anrei­che­rung von Stoffen in den Poren und an der Ober­flä­che der Pflan­zen­koh­le), bei der Pflan­zen­koh­le als nicht­ver­dau­li­ches Trä­ger­mit­tel ein­ge­setzt wird, gilt als eine der wich­tigs­ten Metho­den zur Ver­hin­de­rung gesund­heits­schä­di­gen­der oder töd­li­cher Wirkung von oral auf­ge­nom­me­nen Toxinen (Giften).
Eine weitere ent­schei­den­de Funk­ti­on der Pflan­zen­koh­le ist ihre elektro-bio­che­mi­sche Inter­ak­ti­on in bio­lo­gisch aktiven Sys­te­men. Pflan­zen­koh­le, die bei Tem­pe­ra­tu­ren von mehr als 550 °C her­ge­stellt wurde, ist nicht nur ein guter elek­tri­scher Leiter, sondern kann in che­mi­schen und mikro­bi­el­len Redo­xre­ak­tio­nen als Elek­tro­nen-Ver­mitt­ler sowohl Elek­tro­nen auf­neh­men als auch abgeben. Dies tut sie nicht kon­ti­nu­ier­lich, sondern ihre Leit­fä­hig­keit beruht auf einem dis­kon­ti­nu­ier­li­chen Elek­tro­nen-Hopping. Dieses Elek­tro­nen-Hopping ist unver­zicht­bar für den mikro­bi­el­len Abbau des Futters im Ver­dau­ungs­trakt.

Wirkung von Pflan­zen­koh­le in der Füt­te­rung

Trotz viel­fäl­ti­ger Eigen­schaf­ten von Pflan­zen­koh­le gibt es einige zen­tra­le Effekte, die beim Einsatz in der Füt­te­rung fest­ge­stellt wurden

  • Zunahme der Fut­ter­auf­nah­me & Erhö­hung der Fut­ter­ef­fi­zi­enz
  • Gewichts­zu­nah­me
  • Stär­kung des Immun­sys­tems
  • Ver­bes­ser­te Fleisch­qua­li­tät
  • Ver­bes­ser­te Stall­hy­gie­ne und gerin­ge­re Geruchs­be­las­tung
  • Ver­rin­ge­rung von Krank­hei­ten und Tier­arzt­kos­ten

Ver­su­che mit Rindern: Hier ver­bes­ser­te sich der all­ge­mei­ne Gesund­heits­zu­stand und die Vita­li­tät. Die Zell­zahl der Milch ver­rin­ger­te sich deut­lich, Milch­pro­te­in und Milch­fett­ge­halt nahmen zu. Klau­en­pro­ble­me ver­bes­ser­ten sich, Diar­rhoe-Sym­pto­me nahmen ab und der Kot wurde fester. Die Dün­ge­wir­kung des Rin­der­ko­tes erhöht sich.
Ver­su­che mit Mast­schwei­nen: Hier ver­bes­ser­te sich die Fut­ter­ef­fi­zi­enz und damit die Gewichts­zu­nah­me um fast 20%. Der Cor­tisol­ge­halt war deut­lich gerin­ger, was auf eine gerin­ge­re Stress­an­fäl­lig­keit hin­weist. Zudem ergab die Füt­te­rung mit Pflan­zen­koh­le den glei­chen Wachs­tums­zu­wachs wie die stan­dard­mä­ßig ein­ge­setz­te Menge an Anti­bio­ti­ka.
Ver­su­che mit Geflü­gel: Studien konnten zeigen, dass sich mit Pflan­zen­koh­le das Gewicht, die Fut­ter­ef­fi­zi­enz und die Fleisch­qua­li­tät ver­bes­sern ließen. Die Sterb­lich­keit ver­rin­ger­te sich. Auch eine Stei­ge­rung der Eier­pro­duk­ti­on bei Geflü­gel wurde fest­ge­stellt.

Anfor­de­run­gen an Pflan­zen­koh­le als Fut­ter­koh­le

Das Bin­dungs- und Spei­cher­po­ten­ti­al der Pflan­zen­koh­le hängt ins­be­son­de­re von der spe­zi­fi­schen Ober­flä­che und der Poren­grö­ßen­ver­tei­lung ab. Laut den Autoren ist eine Akti­vie­rung der Pflan­zen­koh­le in der Regel nicht nötig, da die dabei ent­ste­hen­den Mikro­po­ren zu klein sind, um die für die Tier­ver­dau­ung rele­van­ten Stoffe auf­zu­neh­men. Der Einsatz von Pflan­zen­koh­le in der Tier­füt­te­rung ist in der Ver­ord­nung der Euro­päi­schen Gemein­schaft (EG Nr. 68/2013) gere­gelt, ihre Qua­li­täts­an­for­de­run­gen in der EG Nr. 178/2002 fest­ge­hal­ten. Das European Biochar Cer­ti­fi­ca­te (EBC), ein frei­wil­li­ger Indus­trie­stan­dard, garan­tiert einer­seits die Ein­hal­tung aller von der EG Ver­ord­nung vor­ge­schrie­be­nen Grenz­wer­te und zer­ti­fi­ziert darüber hinaus auch die nach­hal­ti­ge Her­stel­lung und Anwen­dung sowie weitere Pflan­zen­koh­le rele­van­te Kri­te­ri­en.

Ori­gi­nal­ar­ti­kel: Der Einsatz von Pflan­zen­koh­le in der Tier­füt­te­rung

Autor: Hans-Peter Schmidt, Claudia Kammann, Achim Gerlach, Henning Gerlach

Erschie­nen in: Peter Quicker et. al (Hrsg.): Bio­koh­le. Sprin­ger Verlag 2016 / Ithaka-Journal 2016, pp. 364–394