Mit Terra Preta land­wirt­schaft­li­che Böden auf­wer­ten

Aus­gangs­punkt

Dank Pflan­zen­koh­le hat sich im Laufe der Jahr­hun­der­te in einigen Gebie­ten am Ama­zo­nas ein mäch­ti­ger nähr­stoff- und humus­rei­cher Boden ent­wi­ckelt. Das lässt sich auch auf euro­päi­schen Böden erzie­len. Zu diesem Ergeb­nis kommt Bruno Glaser, Boden­bio­geo­che­mi­ker und Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­tät Halle, in seinem Fach­ar­ti­kel über „Das Terra Preta Konzept“. Aller­dings reiche es nicht, reine Holz­koh­le aus dem Bau­markt in den Boden ein­zu­mi­schen. Es müssen auch Nähr­stof­fe ein­ge­bracht werden und die Pflan­zen­koh­le akti­viert werden. Das lässt sich am besten durch eine Kom­pos­tie­rung mit Bio­ab­fäl­len errei­chen. Für die meisten Land­wirt bedeu­tet dies, so Glaser, dass sie die „Zutaten“ für einen ver­bes­ser­ten Boden ohne großen zusätz­li­chen Aufwand selbst zur Ver­fü­gung haben.

Was ist Terra Preta und warum ist sie so inter­es­sant?

Die Schwarz­er­den Ama­zo­ni­ens (Terra Preta) zählten bis vor einigen Jahren zu den nicht ent­schlüs­sel­ten Wundern der Mensch­heits­ge­schich­te. Während der Groß­teil der Urwald­bö­den hoch­gra­dig unfrucht­bar ist, weist die teil­wei­se über 2000 Jahre alte Terra Preta auch heute noch hohe Vorräte an Nähr­stof­fen und sta­bi­ler koh­len­stoff­rei­cher Boden­sub­stanz auf. Terra Preta ist mensch­li­chen Ursprungs und aus einer Mischung von mensch­li­chen und tie­ri­schen Exkre­men­ten und pflanz­li­chen Abfäl­len, die teil­wei­se ver­kohlt und kom­pos­tiert wurden.

Die Rolle der Pflan­zen­koh­le

Auf­grund der kli­ma­ti­schen Bedin­gun­gen findet in den Tropen kaum Humus­bil­dung statt, wobei Boden­or­ga­nis­men wie Ter­mi­ten, Ameisen, Regen­wür­mer etc. abge­stor­be­ne Blätter und Wurzeln Schritt für Schritt in Hum­in­stof­fe umwan­deln. Statt­des­sen werden diese Stoffe voll­stän­dig abge­baut. In der Terra Preta hin­ge­gen findet Humus­auf­bau durch die sta­bi­li­sie­ren­de Wirkung der Pflan­zen­koh­le statt. Pflan­zen­koh­le wirkt dabei wie ein Reser­voir für orga­ni­schen Koh­len­stoff (C-Spei­che­rung ist 3 Mal so hoch wie in benach­bar­ten Regen­wald­bö­den), Nähr­stof­fe und Wasser. Terra Preta enthält 2–3 Mal mehr Stick­stoff und 4–5 Mal mehr Phos­phor als benach­bar­te Regen­wald­bö­den. Weitere posi­ti­ve Effekte sind ver­min­der­te Aus­wa­schungs­ver­lus­te und eine Auf­lo­cke­rung ton­rei­cher Böden.

Poten­ti­al der Pflan­zen­koh­le für die Land­wirt­schaft

Laut Glaser können Land­wir­te durch die ver­gleichs­wei­se ein­fa­che Her­stel­lung von Terra Preta ihre Böden auf­wer­ten, Geld für Dünger sparen und Gut­schrif­ten aus Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten erhal­ten. Die ver­bes­ser­te Boden­frucht­bar­keit setzen sie wie­der­um in höhere Erträge um, die dann sowohl für die Ernäh­rung der Mensch­heit als auch der glo­ba­len Ener­gie­ver­sor­gung aus­rei­chen (durch die zusätz­li­che Wärme- und Ener­gie­ge­win­nung bei der Pflan­zen­koh­le­her­stel­lung). Und durch die Ver­rin­ge­rung des Koh­len­di­oxid-Gehal­tes der Atmo­sphä­re tragen sie zur Rettung des Welt­kli­mas bei. Das wie­der­um sorgt am Ende dazu, dass länd­li­che Regio­nen auf­ge­wer­tet werden, weil sie in wach­sen­dem Maße zur dezen­tra­len Ener­gie­ver­sor­gung bei­tra­gen.

Ori­gi­nal­ar­ti­kel: Das Terra Preta Konzept. Chancen für ein nach­hal­ti­ges Manage­ment natür­li­cher Res­sour­cen

Autor: Prof. Dr. Bruno Glaser

Erschie­nen in: Müll und Abfall 03/2012, Sprin­ger Verlag