Aus­gangs­punkt

In den letzten Jahren hat das Terra Preta (Schwarz­er­de) – Phä­no­men zuneh­men­des Inter­es­se geweckt. Dabei handelt es sich um von Men­schen gemach­te, bis zu 3000 Jahre alte Böden, die einen hohen Nähr­stoff- und Boden­an­teil an orga­ni­schen Stoffen auf­wei­sen und mitten in den tro­pi­schen Regen­wäl­dern ent­deckt wurden. Laut den Autoren Glaser & Birk („State of the sci­en­ti­fic know­ledge on pro­per­ties and genesis of Anthro­po­ge­nic Dark Earths in Central Ama­zo­nia“, Geo­che­mi­ca et Cos­mochi­mi­ca Acta 2012) wird diese soge­nann­te Terra Preta seither als Modell zur För­de­rung nach­hal­ti­ger land­wirt­schaft­li­cher Prak­ti­ken in den feuch­ten Tropen gesehen und als ein Bei­spiel für eine lang­fris­ti­ge CO2-Spei­che­rung und mit zusätz­li­chen posi­ti­ven Vor­tei­len für die Öko­sys­tem­leis­tun­gen. Glaser & Birk geben in ihrem Artikel daher einen Über­blick über den aktu­el­len Wis­sens­stand zu Terra Preta und deren Ent­ste­hung.

Ent­ste­hung

Terra Preta ist das Produkt von anor­ga­ni­schen [z.B Asche, Knochen (ins­be­son­de­re Fische)] und orga­ni­schen (z. B. Bio­mas­se­ab­fäl­le, Mist, Exkre­men­te, Urin und Bio­koh­le) Ver­än­de­run­gen des inten­siv ver­wit­ter­ten Tro­pen­bo­dens. Diese anor­ga­ni­schen und orga­ni­schen Inhalts­stof­fe wurden mikro­bi­ell zer­setzt. Laut Glaser und Birk spielen Pilze dabei eine größere Rolle als Bak­te­ri­en in umlie­gen­den Öko­sys­te­men. Pflan­zen­koh­le ist auf­grund seiner Sta­bi­li­tät und seiner Anrei­che­rung in den Terra Preta Böden eine Schlüs­sel­kom­po­nen­te für diesen Prozess. Es ist laut Glaser und Birk aller­dings noch unklar, ob Terra Preta absicht­lich oder unbe­wusst pro­du­ziert wurde. Unklar ist auch, wie viel Zeit nach der Ent­sor­gung der oben genann­ten Mate­ria­li­en benö­tigt wurde, um eine Terra Preta zu ent­wi­ckeln.

Die Rolle der Pflan­zen­koh­le

Da Pflan­zen­koh­le nur Spuren von Nähr­stof­fen enthält, trägt sie nicht wesent­lich zum Nähr­stoff­sta­tus bei. Dennoch spielt Pflan­zen­koh­le als pyro­ge­nes Mate­ri­al und Rest unvoll­stän­di­ger Ver­bren­nung von Bio­mas­se (Holz­koh­le, Ruß) eine wich­ti­ge Rolle bei der Ent­wick­lung von Terra Preta. Es gilt zudem laut Glaser und Birk als wahr­schein­lich, dass die Pflan­zen­koh­le durch mensch­li­che Akti­vi­tä­ten auf Terra Preta auf­ge­bracht wurde. Die Autoren bezeich­nen es aber als unwahr­schein­lich, dass der Einsatz von Pflan­zen­koh­le ein Schlüs­sel­pro­zess war, der zur Bildung von Terra Preta führte, da allein durch die Brand­ro­dungs-Land­wirt­schaft keine Terra Preta erzeugt wird, obwohl an diesen Stand­or­ten viel Asche und Pflan­zen­koh­le auf­ge­bracht wird. Darüber hinaus enthält Asche erheb­li­che Mengen an Ca, K, Mg und P, während Terra Preta bei­spiels­wei­se stark an P ange­rei­chert ist.

Die Zusam­men­set­zung von Terra Preta

Die im Ama­zo­nas­ge­biet natür­lich vor­kom­men­den Böden ent­hal­ten sehr geringe Mengen der meisten Nähr­stof­fe. Im Gegen­satz dazu ist Terra Preta durch hohe Kon­zen­tra­tio­nen an P, N, Ca und basi­schen Nähr­stof­fen gekenn­zeich­net. Die Nähr­stoff­vor­rä­te in Terra Preta sind um ein Viel­fa­ches größer als die der umlie­gen­den Böden. Die For­scher gehen daher davon aus, dass Terra Preta aus fol­gen­den Nähr­stoff­quel­len her­ge­stellt wurde: Pflan­zen­bio­mas­se, Säu­ge­tier- und Fisch­kno­chen, Asche, Pflan­zen­koh­le und mensch­li­che Exkre­men­te.

Ori­gi­nal­ar­ti­kel: State of the sci­en­ti­fic know­ledge on pro­per­ties and genesis of Anthro­po­ge­nic Dark Earths in Central Ama­zo­nia (terra preta de Índio)

Autor: Bruno Glaser, Jago Jona­than Birk

Erschie­nen in: Geo­che­mi­ca et Cos­mochi­mi­ca Acta, Volume 82, p 39–51, Else­vier 2012