Pflan­zen­koh­le

Aktiv­koh­le

Fut­ter­mit­tel­koh­le

Basics: Pflan­zen­koh­le.
Was ist das über­haupt?

Pflan­zen­koh­le ist ein durch die Ver­koh­lung von Bio­mas­se gewon­ne­nes Mate­ri­al. Die Bio­mas­se – z.B. Grün­schnitt – wird dabei bei­spiels­wei­se in tra­di­tio­nel­len Koh­lemei­lern oder in moder­nen Pyro­ly­se­an­la­gen mit wenig Sauer­stoff ver­brannt. Dabei ent­steht im Ide­al­fall hoch­po­rö­se Pflan­zen­koh­le.

Vor­tei­le der Pflan­zen­koh­le – Wo wird sie ein­ge­setzt?

Je nach Ver­ed­lungs­stu­fe kann die Pflan­zen­koh­le in fol­gen­den Berei­chen ein­ge­setzt werden. Als:

 

  • Boden­ver­bes­se­rer
  • Fut­ter­mit­tel­zu­ga­be – in Form von Fut­ter­koh­le
  • Additiv im Bio­gas­pro­zess
  • Stal­l­ein­streu
  • Hilfs­stoff für Kom­pos­tie­rung
  • Fil­ter­mit­tel – in Form von Aktiv­koh­le
  • Kos­me­tik und Arz­nei­mit­tel­zu­satz – in Form von Aktiv­koh­le

Weitere Vor­tei­le – CO₂ Fuß­ab­druck und Tier­wohl

Neben den viel­fa­chen Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten von Pflan­zen­koh­le dient die Ver­ed­lung der Bio­mas­se zudem der Umwelt und dem Tier­wohl. So bindet Pflan­zen­koh­le CO₂ und Lachgas, schließt Stoff­kreis­läu­fe und ver­bes­sert in Form von Fut­ter­koh­le auf ganz natür­li­che Weise die Tier­ge­sund­heit.
Die Vor­tei­le beim Einsatz von Pflan­zen­koh­le sind viel­fäl­tig. Um diese Berei­che näher zu beleuch­ten finden Sie neben Erläu­te­run­gen und Medi­en­be­rich­ten auch eine Viel­zahl an Fach­be­rich­ten.

Wie funk­tio­niert Pflan­zen­koh­le als Boden­ver­bes­se­rer

Wo von Pflan­zen­koh­le als Boden­ver­bes­se­rer gespro­chen wird, geht es meist auch um den Begriff „Terra Preta“ (schwar­ze Erde). Terra Preta bezeich­net den frucht­ba­ren, tief­schwar­zen Boden im Ama­zo­nas­ge­biet. Dieser Boden ent­stand durch die Bewirt­schaf­tung durch Indios vor tau­sen­den Jahren, die den nähr­stoff­ar­men Boden mit einem kom­pos­tier­ten oder fer­men­tier­ten Gemisch anrei­cher­ten, das aus Pflan­zen­res­ten, Dung sowie mensch­li­chen Fäka­li­en bestand und Kohle aus den Herd­stel­len ent­hielt.
Pflan­zen­koh­le ist alleine noch kein Dünger. Sie ist hoch­po­rös und besitzt eine Ober­flä­che von bis zu 300m² pro Gramm. Die Pflan­zen­koh­le wirkt als Schwamm, die bis zur fünf­fa­chen Menge ihres Eigen­ge­wichts auf­neh­men kann. „Hier können sich Mikro­or­ga­nis­men ansie­deln, Wasser und Nähr­stof­fe gespei­chert werden“, erklärt Dr. Ines Vogel von der Freien Uni­ver­si­tät Berlin. Diese Eigen­schaft nennt man Adsorp­ti­ons­ka­pa­zi­tät (AK) der Pflan­zen­koh­le für hydro­pho­be Stoffe. Sie hängt sowohl von der pyro­ly­sier­ten Bio­mas­se als auch von den Pyro­ly­se­be­din­gun­gen ab.
Um den glei­chen Effekt wie im Ama­zo­nas zu errei­chen, muss die Pflan­zen­koh­le jedoch zunächst „akti­viert“ werde. Dies bedeu­tet, sie muss mit Nähr­stof­fen und Boden­le­be­we­sen ange­rei­chert werden, was bei­spiels­wei­se bei der Kom­pos­tie­rung erreicht werden kann. Wird reine Pflan­zen­koh­le in den Boden gebracht, ent­zieht sie ihrer Umge­bung das Wasser und die darin gelös­ten Stoffe. Das wirkt sich natür­lich negativ auf das Pflan­zen­wachs­tum aus und man erzielt genau das Gegen­teil des gewünsch­ten Effekts. Das ist das Geheim­nis der Terra Preta.

Pflan­zen­koh­le im Garten

Pflan­zen­koh­le braucht nicht den ganz großen Auf­tritt. Sie ent­fal­tet ihre Wirkung auch im Kleinen, wie dem eigenen Garten oder Bal­kon­kas­ten. Jeder kann seinem Boden und gleich­zei­tig dem Klima Gutes tun.

Erst durch Kom­pos­tie­rung wird aus toter Kohle ein leben­di­ger Mikro­kos­mos“ (aus: Ute Scheub, Haiko Piplow, Hans-Peter Schmidt: Terra Preta, Oekom Verlag 2015).

Pflan­zen­koh­le allein macht noch keinen guten Gar­ten­bo­den. Eine Hand­voll gesunde Erde enthält mehr Lebe­we­sen als Men­schen auf dem Pla­ne­ten leben: Bak­te­ri­en, Geißel- und Wim­per­tier­chen, Pilze, Algen, Würmer, Käfer, Larven, Schne­cken, Spinnen, Asseln…. Pflan­zen­koh­le bietet diesen kleinen Orga­nis­men Raum zum Leben. Sie lockert die Gar­ten­er­de auf, macht sie durch­läs­sig für Wasser und Sauer­stoff. Zudem ist Pflan­zen­koh­le dank ihrer rie­si­gen Ober­flä­che und vielen Poren ein her­vor­ra­gen­der Spei­cher für Nähr­stof­fe und Wasser. Damit Pflan­zen­koh­le im Boden wirkt, muss sie daher erst mit Mikro­or­ga­nis­men und Nähr­stof­fen auf­ge­la­den werden, sonst ist sie nur ein leerer Spei­cher. Im Garten klappt das am besten, indem man den Kompost mit maximal 1/5 der Gesamt­men­ge an Pflan­zen­koh­le ver­mischt und sich ein paar Wochen gedul­det, bis die Mischung ver­er­det ist. Das klappt aber auch mit gesta­pel­ten kleinen Git­ter­kis­ten auf dem Balkon. Mehr dazu in diesem lesens­wer­ten Buch.

Aktu­el­le Bei­trä­ge zum Thema Garten

Pflan­zen­koh­le als Boden­ver­bes­se­rer

250 Qua­drat­me­ter groß ist der Selbst­ver­sor­ger­gar­ten von Norbert Schmä­ling im unter­frän­ki­schen Ober­t­hul­ba. Das Gemüse wächst präch­tig und strotzt vor Gesund­heit. Das Geheim­nis: frucht­ba­rer Boden.

Terra Preta – die schwar­ze Revo­lu­ti­on

Wie man im eigenen Garten gesunde Lebens­mit­tel pro­du­zie­ren kann und gleich­zei­tig das Klima ver­bes­sern kann, beschrei­ben die Autoren Scheub, Pieplow und Schmidt in einem lesens­wer­ten Buch über Pflan­zen­koh­le…

4 Wege, um Pflan­zen­koh­le “auf­zu­la­den”

Damit Pflan­zen­koh­le im Garten, Stadt­park oder auf dem Acker ihre boden­ver­bes­sern­de Wirkung rasch und effi­zi­ent ent­fal­ten kann, muss Pflan­zen­koh­le zunächst „auf­ge­la­den“ werden. Die Ver­mi­schung mit Kompost ist die…

Bäume

In Deutsch­land werden jähr­lich Mil­lio­nen von Bäumen neu gepflanzt. Sei es zur Zierde, als Obst­baum oder für ein bes­se­res Stadt­kli­ma. Nicht immer ver­läuft ihr Wachs­tum rei­bungs­los. Je nach Stand­ort stehen junge Bäume zuneh­mend unter Stress. Zu enge Pflanz­gru­ben schrän­ken ihr Wur­zel­wachs­tum ein, Boden­ver­dich­tun­gen ver­hin­dern eine aus­rei­chen­de Sauer­stoff- und Was­ser­ver­sor­gung des Baums. Daneben leiden viele Bäume an den kli­ma­ti­schen Ver­än­de­run­gen mit zuneh­men­dem Tro­cken­stress im Sommer und stei­gen­den Durch­schnitts­tem­pe­ra­tu­ren sowie häu­fi­ge­ren Extrem­wet­ter­er­eig­nis­sen.

Einige Groß­städ­te wie Stock­holm, Mel­bourne oder Toronto sind deshalb dazu über­ge­gan­gen, ihre Bäume in Misch­sub­stra­te aus Kies und Pflan­zen­koh­le zu pflan­zen. Pflan­zen­koh­le ist nicht nur viel poröser als Sand oder Ton, sie wird auch nicht so schnell bio­lo­gisch abge­baut oder ver­dich­tet sich wie bei­spiels­wei­se Torf. Die hohe Poro­si­tät der Pflan­zen­koh­le fördert den Gas­aus­tausch und die Was­ser­hal­te­ka­pa­zi­tät an den Wurzeln und sorgt ins­ge­samt mit ihrer hohen Durch­läs­sig­keit für eine ver­bes­ser­te Wur­zel­durch­drin­gung.

Aktu­el­le Bei­trä­ge zum Thema Bäume

Urbane Böden und Baum­wachs­tum ver­bes­sern

Das Wachs­tum von Stadt­bäu­men wird oft durch eine geringe Boden­qua­li­tät und zahl­rei­che Stör­fak­to­ren wie (Luft-)Verschmutzung oder Tro­cken­stress gehemmt. In der Regel wird deshalb ver­sucht, durch syn­the­tisch her­ge­stell­te Dün­ge­mit­tel das Wachs­tum der…

Pflan­zen­koh­le in der Wie­der­auf­fors­tung

In der kana­di­schen Provinz Quebec wird seit gerau­mer Zeit bei Wie­der­auf­fors­tungs­pro­jek­ten für die Auf­zucht der Baum-Set­z­­lin­ge Pflan­zen­koh­le als Ersatz für Torf und Perlit genutzt. Das hat laut den Autoren Lange & Allaire mehrere Gründe…

Stadt­bäu­me durch Pflan­zen­koh­le schüt­zen

Stadt­bäu­me sind für ein gesun­des Stadt­kli­ma unver­zicht­bar. Sie sind jedoch auch beson­de­ren Stress­fak­to­ren aus­ge­setzt, was die Instand­hal­tungs­kos­ten erhöht. Die Schwe­di­sche Haupt­stadt Stock­holm testet deshalb seit rund 10 Jahren spe­zi­el­le…

Pflan­zen­koh­le auf dem Acker und im Weinbau

Auf dem Acker

Ein gesun­der Boden enthält bis zu zehn Prozent Humus. Heute sind es in der Regel ledig­lich zwei bis drei Prozent“, stellt Fredy Abä­cher­li fest, der als Geschäfts­füh­rer der Verora GmbH Kurse über Boden­auf­bau, Humus­ma­nage­ment und Kom­pos­tie­rung orga­ni­siert. Eine intakte Humus­schicht spei­chert sowohl Nähr­stof­fe als auch Wasser. Pflan­zen­koh­le hilft dabei. Mit einer Ober­flä­che von teil­wei­se 200- 800m² pro Gramm und einer hohen Poro­si­tät vermag die Pflan­zen­koh­le bis zur fünf­fa­chen Menge Ihres Eigen­ge­wichts an Wasser und den darin gelös­ten Nähr­stof­fen auf­zu­neh­men. Sie erhöht also die Was­ser­hal­te­fä­hig­keit und ver­min­dert Aus­wa­schungs­ver­lus­te.

Pflan­zen­koh­le ist kein Dünger, sondern fun­giert als Trä­ger­mit­tel für Nähr­stof­fe. Somit muss die Pflan­zen­koh­le auf­ge­la­den werden und / oder bio­lo­gisch akti­viert werden. Dies geschieht bei­spiels­wei­se durch Kom­pos­tie­rung mit Pflan­zen­koh­le.

Die Kohle ist dabei abbau­sta­bil und ver­rot­tet nicht. Ent­spre­chend eignet sich die Kohle zum Humus­auf­bau und begüns­tigt die Spei­cher­fä­hig­keit des Bodens.

Prof.Dr. Bruno Glaser von der Martin-Luther-Uni­ver­si­tät Halle-Wit­ten­berg beschreibt das Konzept als Back­buch für Land­wir­te. „Man benö­tigt die Zutaten Nähr­stof­fe, Pflan­zen­koh­le und Boden­or­ga­nis­men. Das Produkt hängt von der Qua­li­tät der Zutaten und dem Know-How des „Bäckers“ ab, d.h. der Art und Weise wie diese Zutaten ver­ar­bei­tet werden.“

So haben Land­wir­te die Mög­lich­keit ihre Böden auf­zu­wer­ten, Geld für Dünger zu sparen und zusätz­lich Gut­schrif­ten aus Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten zu erhal­ten.

Weitere Vor­tei­le:

  • Weniger Gestank
  • Nitrat­be­las­tun­gen im Boden und Grund­was­ser werden erheb­lich redu­ziert
  • Die Ent­ste­hung von kli­ma­schäd­li­chen Gasen wird erheb­lich redu­ziert.
  • Die Boden­ver­saue­rung geht zurück
  • Der Humus­auf­bau wird gestärkt
  • Pflan­zen­ver­füg­ba­re Nähr­stof­fe bleiben wesent­lich länger ver­füg­bar
  • Ihr Bedarf an zusätz­li­chem Dünger redu­ziert sich erheb­lich

 

Im Weinbau

Die gesunde Ent­wick­lung der Wein­re­be ist stark von den äußeren Umwelt­ein­flüs­sen abhän­gig. So haben die Wet­ter­be­din­gun­gen des Vor­jah­res starken Ein­fluss auf die Bildung und die spätere Ent­wick­lung der Knospen im dar­auf­fol­gen­den Früh­jahr. Belich­tungs- und Tem­pe­ra­tur­ver­hält­nis­se, aber auch die Nähr­stoff- und Was­ser­ver­sor­gung spielen hierbei eine zen­tra­le Rolle.

Der Einsatz von Pflan­zen­koh­le hat im Wein­berg gleich mehrere Vor­tei­le. Pflan­zen­koh­le lockert die Erde auf, macht sie durch­läs­sig für Wasser und Sauer­stoff. Wich­ti­ge Mikro­or­ga­nis­men siedeln sich an. Die Boden­frucht­bar­keit ver­bes­sert sich nach­weis­lich. Zudem ist Pflan­zen­koh­le dank ihrer rie­si­gen Ober­flä­che und vielen Poren ein her­vor­ra­gen­der Spei­cher für Nähr­stof­fe und Wasser. Extreme Wit­te­rungs­be­din­gun­gen wie wochen­lan­gen Tro­cken­stress und anschlie­ßen­de sinn­flut­ar­ti­ge Regen­fäl­le können die Wein­re­ben damit deut­lich besser über­ste­hen.
Auch hat sich Pflan­zen­koh­le als umwelt­freund­li­cher und effek­ti­ver Träger für Wirt­schafts­dün­ger bewährt. Pflan­zen­koh­le ver­rin­gert Nähr­stoff­aus­wa­schun­gen und umwelt­schäd­li­che Emis­sio­nen. Nicht zuletzt ist der Einsatz von Pflan­zen­koh­le im Wein­berg ein wich­ti­ger Beitrag zum Kli­ma­schutz: Mit Pflan­zen­koh­le wird Koh­len­stoff aus der CO2-über­las­te­ten Atmo­sphä­re zurück in den Boden gebracht.

Aktu­el­le Bei­trä­ge zum Thema Acker und Weinbau

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