Aus­gangs­punkt

Damit Pflan­zen­koh­le im Garten, Stadt­park oder auf dem Acker ihre boden­ver­bes­sern­de Wirkung rasch und effi­zi­ent ent­fal­ten kann, muss Pflan­zen­koh­le zunächst „auf­ge­la­den“ werden. Die Ver­mi­schung mit Kompost ist die gän­gigs­te Methode, doch es gibt noch zahl­rei­che andere Wege, um die Pflan­zen­koh­le mit Nähr­stof­fen auf­zu­la­den. Eine gute Über­sicht dazu gibt der Fach­ar­ti­kel „Wege zu Terra Preta“ (Ithaka Journal 2011) von Hans-Peter Schmidt.

Kein all­ge­mein gül­ti­ges Patent­re­zept

Wird Pflan­zen­koh­le unbe­han­delt in den Gar­ten­bo­den ein­ge­ar­bei­tet, führt das zumin­dest in der Anfangs­zeit (laut Schmidt bis zu einem Jahr lang) zu einer Hemmung des Pflan­zen­wachs­tums. Schuld daran sind zwei Eigen­schaf­ten der Pflan­zen­koh­le. Zum einen ihre Poro­si­tät und damit Fähig­keit, bis zur fünf­fa­chen Menge ihres Eigen­ge­wich­tes an Wasser und den darin gelös­ten Nähr­stof­fen auf­zu­neh­men. Eine weitere wich­ti­ge Eigen­schaft ist die hohe Kat­io­nen­aus­tausch­ka­pa­zi­tät. Diese ver­hin­dert das Aus­wa­schen von Nähr­stof­fen und sorgt gleich­zei­tig dafür, dass bei ent­spre­chen­den Ver­hält­nis­sen die Nähr­stof­fe für die Pflan­zen und Mikro­or­ga­nis­men wieder ver­füg­bar sind.
Letzt­lich gibt es laut dem Autor des Arti­kels kein all­ge­mein gül­ti­ges Patent­re­zept für eine erfolg­rei­che Auf­la­dung der Pflan­zen­koh­le, sondern nur fol­gen­de Prin­zi­pi­en:

  • Die Dauer der Auf­la­dung sollte min­des­tens 14 Tage betra­gen.
  • Es muss genü­gend Feuch­tig­keit vor­han­den sein, damit die Nähr­stof­fe gelöst sind und die Poren der Kohle sich auf­la­den können.
  • Eine mög­lichst hohe Viel­falt an orga­ni­schen (auf Koh­len­stoff basier­ten) Nähr­stof­fe sollte vor­han­den sein. Zum Bei­spiel gehören zu den wich­tigs­ten Nähr­stof­fen für die mikro­bi­el­le Besied­lung Koh­len­stoff und Stick­stoff.
  • Die Bele­bung der Kohle mit den boden­bür­ti­gen Mikro­ben durch den Zusatz von humus­rei­cher Erde, Kom­post­tees, Kompost oder selek­tier­te Mikro­or­ga­nis­men.

Auf­la­dung der Pflan­zen­koh­le mit Kompost

Die Auf­la­dung von Pflan­zen­koh­le durch die Ver­mi­schung mit Kompost stellt laut Schmidt die beste Mög­lich­keit zur Her­stel­lung humus­rei­cher Erden her. Im Kompost ist die mikro­bi­el­le Bele­bung am höchs­ten und die Nähr­stof­fe sind bereits in kom­ple­xen orga­ni­schen Ver­bin­dun­gen ein­ge­baut. Aller­dings ist Kompost nicht gleich Kompost. Schlech­ter Kompost muss vom Boden erst lang­wie­rig „verdaut“ werden und führt zur Blo­ckie­rung von Nähr­stof­fen und zu mikro­bi­el­lem Ungleich­ge­wicht. Hier sollte auf eine andere Akti­vie­rungs-Vari­an­te zurück­ge­grif­fen werden.
Guter Kompost muss eine Krü­mel­struk­tur vor­wei­sen und darf nicht schlecht riechen. Am besten gibt man die Pflan­zen­koh­le dem Kompost bereits beim Auf­set­zen der Miete im Ver­hält­nis von 10% zur Bio­mas­se zu. Häu­fi­ges Wenden ist wichtig. Wird Pflan­zen­koh­le erst dem reifen Kompost zuge­ge­ben, wird beides im Ver­hält­nis 1:1 gut gemischt. Die Mischung sollte min­des­tens 2 Wochen vor Ein­ar­bei­tung in den Boden erfol­gen und während dieser Zeit min­des­tens zwei Mal gewen­det und gut durch­ge­feuch­tet werden.

Auf­la­dung der Pflan­zen­koh­le mit Vieh­mist

Eine Mischung ver­schie­de­ner Mistar­ten ist einer ein­zel­nen Mistart vor­zu­zie­hen. Auch lassen sich beson­ders posi­ti­ve Effekte erzie­len, wird die Pflan­zen­koh­le bereits im Stall als Ein­streu für den Mist ver­wen­det. Das Ver­hält­nis Pflan­zen­koh­le zu Vieh­mist sollte etwa 4:1 betra­gen. Ist der Mist nicht mit genü­gend Stroh ver­setzt, emp­fiehlt der Autor, dem Gemisch min­des­tens 10% Gras, Mais­si­la­ge oder Grün­schnitt bei­zu­mi­schen. Auch hier sollte das Gemisch vor dem Eintrag in den Boden min­des­tens 14 Tagen vorher her­ge­stellt und mehr­mals gewen­det werden.

Auf­la­dung der Pflan­zen­koh­le mit Flüs­sig­dün­ger

Anstatt den her­kömm­li­chen NPK (Natrium-Phosphor-Kalium)-Düngern emp­fiehlt der Autor die Ver­wen­dung orga­ni­scher Flüs­sig­dün­ger wie Harn­gül­le. Bei der Berech­nung der übli­cher­wei­se benö­tig­ten Menge an Nähr­stof­fen sollte laut Schmidt berück­sich­tigt werden, dass sich diese durch die Ver­mi­schung mit Pflan­zen­koh­le hal­biert, da die Aus­wa­schung und Aus­ga­sung der Nähr­stof­fe deut­lich redu­ziert wird. Der Mine­ral­dün­ger wird anschlie­ßend in aus­rei­chend Wasser auf­ge­löst, und über den Zeit­raum von 2 Tagen so viel Pflan­zen­koh­le zuge­ge­ben, dass die Flüs­sig­keit voll­stän­dig von der Pflan­zen­koh­le auf­ge­zo­gen wird. Bei dieser Vari­an­te kommt es nicht zu einer mikro­bi­el­len Besied­lung, diese findet erst später im Boden statt.

Auf­la­dung der Pflan­zen­koh­le durch Milch­säu­re­gä­rung

Hierbei wird das Pflan­zen­koh­le-Bio­mas­se-Gemisch mit einer 3%-Lösung aus effek­ti­ven Mikro­or­ga­nis­men (EM-A) und 3% Zucker­rohr­me­las­se besprüht. Für das Gemisch eignet sich laut dem Autor am besten stroh­rei­chen Vieh­mist mit 10% Gras­schnitt und 10% Pflan­zen­koh­le und 1% Gesteins­mehl. Die Miete wird ver­dich­tet und luft­dicht abge­deckt, im Garten oder auf dem Balkon kann das auch in einem geschlos­se­nen Behäl­ter oder Plas­tik­sack erfol­gen. Nach 14–21 Tagen sollte das Gemisch leicht milch­sauer riechen. Das Gemisch wird nun gewäs­sert und einige Tage gut durch­lüf­tet, bei Bedarf kann auch weitere Pflan­zen­koh­le zuge­ge­ben werden und bereits etwas Erde. Anschlie­ßend wird das Gemisch ober­fläch­lich in den Boden ein­ge­ar­bei­tet.

Ori­gi­nal­ar­ti­kel: Wege zu Terra Preta – Akti­vie­rung von Pflan­zen­koh­le

Autor: Hans-Peter Schmidt

Erschie­nen in: Ithaka Journal 1/2011, p. 28–32